Völkischer Anti-Imperialismus auf der Walli

Wir dokumentieren ein Flugblatt der Gruppierung „Emanzipatorische Linke Lübeck“, welches zu einer Diskussion über Antisemitismus in der Linken beiträgt und von dem wir uns eine größtmögliche Verbreitung wünschen. Relevanter als die Kritik an „Anarchists against the Wall“, deren Grundhaltungen bei Sichtung der entsprechenden Websites doch diffuser als dargestellt zu sein scheint, erscheint uns die Darstellung des konkreten Charakters der Veranstaltung selbst. Die ostentative Selbstbezeichnung als „Anti-Antideutsch“ der „Bio-Dienstag“-Veranstaltung jedenfalls wäre hier als ein zentraler Faktor zu benennen – willkommen in der DEUTSCHEN Linken.

Ideologieproduktion @ Café Brazil

Es ist mal wieder so weit. Nach der Neueröffnung des Café Brazils findet erneut wöchentlich der „Bio-Dienstag“ statt, zu dem sich augenscheinlich die komplette „(links)alternative“ Lübecker Szene versammelt, um den Tag ausklingen zu lassen, Menschen zu treffen und kennenzulernen oder einfach ein entspanntes Feierabendbier zu trinken.

Die meisten lassen sich allerdings nicht daran stören, dass die Spenden, welche an dem Abend für das Essen eingenommen werden, direkt an die völkisch–antiimperialistische und antizionistische Gruppe „Anarchists against the Wall“ fließen. Die israelische Gruppe, die sich selbst als antikolonialistisch, parteilos und heterogen definiert, tritt für eine kompromisslose Abschaffung des jüdischen Staates ein. Sofern gegen Israel mobilisiert wird, schrecken sie auch nicht davor zurück, mit nationalistischen Gruppen und klerikal-faschistischen Mörderbanden, wie der PFLP, Fatah und der Hamas zusammenzuarbeiten.

Beworben wird der „Bio–Dienstag“ durch ein Flugblatt, das jede Woche im Brazil ausgelegt wird. Auf diesem ist neben der pauschalen Aussage, die Betreiber_innen seien „gegen Großkonzerne und Lebensmittelfirmen“, und der Information über das anstehende 3-Gängemenü auch der Ausruf für „gerechten Frieden in Jerusalem und Palästina“ zu lesen. „Der Grenzwall zu Palästina muss fallen“ und „weg mit der israelischen Unrechtsbesatzung“ heißt es weiter. In welcher prekären Lage sich der jüdische Staat befindet, welcher den Schutzraum für die Shoa–Überlebenden und dem Antisemitismus ausgesetzte Menschen sichert, wird außer Acht gelassen. Dabei wird ein schwarz-weiß Schema erzeugt, welches in „böse“ Israelit_innen und „guten“ palästinensischen Widerstand selektiert, die allgegenwärtige Situation der existenziellen Bedrohung verklärt und damit die antisemitische Internationale ignoriert oder gar beschönigt. Der als „Apartheidsmauer“ diskreditierte Trennzaun an der Grenze zum Westjordanland, der als Antwort auf die 2. Intifada erfolgte, hat de facto etliche Menschen vor Übergriffen und Selbstmordattentaten geschützt, da die Anschlagsquote seither rapide zurückgegangen ist.

Eingeleitet wird das wöchentliche Event durch eine stark emotionale Rede der Betreiber_innen, in welcher in linksdeutscher Kampfmanier über die Geschehnisse im nahen Osten gehetzt wird. Zu besonderen Anlässen, wie der Sichtung einer palästinensischen Fahne vor dem französischen UN-Konsulat, wurde in der Vergangenheit auch gerne mal französischer Wein ausgeschenkt, was nicht nur einen positiven Bezug auf den Nationalstaat darstellt, sondern auch von einem völkisch-ideologischen Verständnis zeugt und in abstruser Widersprüchlichkeit zu der auf dem Flugblatt propagierten Plattitüde „Reißt die Mauern ein, die euch Trennen“ steht.

Bei einer solchen Instrumentalisierung des Konflikts und dem Erzeugen eines simplen Antagonismus handelt es sich um Ideologieproduktion, also dem Schaffen eines „falschen Bewusstseins von einer falschen Welt“ (Marx).

Wir hoffen, dass wir einige Menschen zum Nachdenken über die Veranstaltung bringen konnten und das eine kritische Reflexion über die gegebenen Zustände erfolgt.





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