Beiträge von LBgR

Aus Anlaß: Lübeck, Nazis und Normalität in D

Seit 2006 wurde von diversen nationalsozialistischen Zusammenhängen in Lübeck ein deutsches Opfergedenken zu inszenieren versucht. Dagegen hat sich ein ausbaufähig-widerständiger Diskurs auf mehreren Ebenen herausgebildet, der gesellschaftlich kontrovers beurteilt wurde und wird. Im vergangenen Jahr wurde beispielsweise die Berichterstattung im Offenen Kanal Lübeck zu 50% einer aus Polizeibeamten bestehenden „Radiogruppe“ überlassen, die aufgrund der kritischen Berichterstattung der Vorjahre durch Zeckenfunk und Freie Senderinitiative Schleswig-Holstein nun den Tagesablauf „aus Sicht der eingesetzten Beamt_innen“ schilderte.
In diesem Jahr wurde nun erstmalig seit 2006 der jährliche „Trauermarsch“ von den Nazis abgemeldet. Die in dem Bündnis „Wir können sie stoppen“ vertretenen zivilgesellschaftlichen Gruppen werden am 30.03., dem ursprünglichen Anmeldedatum der Nazis, ein Gedenken für die Opfer politischer Verfolgung des NS abhalten, welches auch ein Antidot zu den gesellschaftlichen Bestrebungen darstellen soll, durch die Fokussierung auf die Opfer aliierter Bombardierungen geschichtsrelativierend zu intervenieren.
In dieser Sendung soll neben der Kritik des deutschen Opferdiskurses die Entwicklung über die Jahre bilanziert werden. Aktuell einbezogen bleibt der heutige Tag in Lübeck, Nazistrukturen vor Ort und die Übernahme der öffentlichen Berichterstattung durch die Polizei.

Die von Zeckenfunk in Kooperation mit der Freien Senderinitiative Schleswig-Holstein gestaltete Sendung wird von 13.00 bis 16.00 Uhr auf der Frequenz UKW 98,8 gesendet.

Die rechtspopulistische Lücke!

Am Montag, den 4. März um 19.00 Uhr
Lübeck, Holstentorplatz im DGB-Haus Raum ¾

Referent: Alexander Häusler, Fachhochschule Düsseldorf
FB Sozial. u. Kulturwissenschaften
Forschungsschwerpunkt Rechtsextremismus / Neonazismus

Sarrazin-Debatte, Eurokrise, steigende Muslimfeindlichkeit! In Deutschland wächst das rechtspopulistische Potenzial.
Doch im Unterschied zu anderen europäischen Ländern konnte die extreme Rechte hierzulande diese Entwicklung bislang noch nicht in Wählerstimmen ummünzen. Warum das so ist, versucht der Referent Alexander Häusler zu beantworten.
Nach dem Referat bleibt viel Zeit zur Diskussion über den Rechtspopulis­mus und seinen Rassismus als Bindeglied der „Mitte“ der Gesellschaft und dem Neonazismus.

Eine Veranstaltung der VVN und des Lübecker Bündnis gegen Rassismus
in Kooperation mit der Rosa Luxemburg Stiftung Kiel
„Werkstatt utopie & gedächtnis e.V.“

Mit Unterstützung des Bündnis „Wir können sie stoppen“ Lübeck

Mitglieder und SympathisantInnen von neofaschistischen Parteien, Organisationen und Zusam­menschlüssen, sowie Personen, die uns als TeilnehmerInnen von neofaschistischen Veranstaltungen, Aufmärschen und Aktionen bekannt sind, erhalten keinen Zutritt gm. § 6 Versammlungsgesetz

Brandanschlag Hafenstraße 1996

Nichts & Niemand ist vergessen!

In der Nacht des 18. Januar 1996 brannte das Asylbewerberheim in der Hafenstraße 52 in Lübeck. 10 Menschen starben, 38 wurden zum Teil schwer verletzt. Noch in der Tatnacht wurden vier Neonazis aus Grevesmühlen und Umgebung festgenommen, die zum Zeitpunkt des Brandes in der Nähe des Hauses in der Hafenstraße waren und von denen drei zudem frische Brandspuren aufwiesen.
Damit schien der Lübecker Brandanschlag einen Höhepunkt der seit der Wiedervereinigung grassierenden neonazistischen Gewalt in Deutschland darzustellen. Die Pogrome von Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen sowie bundesweite Brandanschläge wie 1992 auf ein von türkischen Menschen bewohnten Haus in Mölln, bei dem drei Menschen ermordet wurden, zeichneten solcherlei Gewalteskalationen schon vorher ab. Auch hatte es in Lübeck zuvor bereits zwei Brandanschläge auf die Synagoge gegeben.

Termine:
· 18.01. | Offizielles Gedenken an die Opfer des Brandanschlages | 14 Uhr | Hafenstraße
· 18.01. | Film: “Tot in Lübeck” | Hintergründe des Brandanschlages 1996 | VeB, Walli
· 18.01. bis 01.02. | Ausstellung “Brandanschlag Hafenstraße 1996″ | Café Brazil, Walli | Öffnungszeiten richten sich nach dem Brazilkollektiv

Oftmals war die politische Reaktion primär durch die Sorge um das Ansehen des wiedervereinigten Deutschlands im Ausland gekennzeichnet. (mehr…)

Aufruf: Mölln ’92 – Gedenken und Anklagen!

Im Gedenken an Yeliz Arslan und Ayşe Yılmaz und Bahide Arsla – 1992 durch einen rassistischen Brandanschlag ermordet.

Aufruf zur bundesweiten Demonstration am 17.11.20120 und zu den Aktionswochen vom 17.11. bis 23.11.2012

„Ich kann es immer noch nicht fassen, was am 23. November 1992 mit meiner Familie geschehen ist. Es ist so schrecklich und grausam. Meine Frau Bahide ist tot, Enkelin Yeliz und Ayşe Yilmaz sind tot. Meine Schwiegertöchter sind […] behindert und haben Schmerzen, die Familie ist überhaupt nicht mehr, was sie war. Meine Frau Bahide war der Mittelpunkt meiner Familie – meines Lebens.“ (Nazim Arslan am 23. Juni 1993 vor dem II. Strafsenat, Oberlandesgericht Schleswig)

Am 23. November 1992 werden im Luftkurort Mölln, Schleswig-Holstein, Molotowcocktails in zwei Wohnhäuser geworfen. In der Ratzeburger Straße konnten die Bewohner*innen knapp ihr Leben retten, bei dem Anschlag in der Mühlenstraße gingen die Täter brutaler vor. Sie kippten Benzin in das Treppenhaus, entzündeten es und warfen gegen die Rückseite des Hauses einen Molotowcocktail, um die Fluchtwege zu versperren. (1)

In den Flammen der faschistischen Anschläge starben die 51-jährige Bahide Arslan, die zehnjährige Yeliz Arslan und die 14-jährige Ayşe Yilmaz. Was für ein Leben diese drei Menschen heute führen würden, können wir nicht erahnen. Zusammen mit ihren Familien und Freunden möchten wir ihnen in diesen Tagen gedenken. Im gleichen Atemzug wollen wir jenen, die damals wie heute ihre eigene Rolle in diesem Drama nicht verstehen wollen, zurufen: „Hört auf mit eurem tatenlosen Gedenken! Es ist eine Entehrung der Ermordeten!“

Für die Taten verantwortlich zeigten sich die beiden bekannte Neonazis Michael Peters und Lars Christiansen. (mehr…)

Widerstand und „Widerstand“ in Griechenland heute

Eine interessante und sicherlich kontroverse Veranstaltung. Wir dokumentieren den Aufruf:

Deutschland demonstriert zurzeit mit Post-Wiedervereinigungsstärke, wer in Europa das Sagen hat und wie die klimatische Selektion in gute und böse Länder vonstatten zu gehen hat (faule Südländer, fleißige Nordländer). Dies mit tatkräftiger Unterstützung geschlossener Reihen der Population samt ihrer politischen Formationen. Das ist der traditionelle völkische Vorgang mit erprobtem rassistischen Praxisbezug. Selbstverständlich sollte es sein, dass man/frau persönliche unmittelbare Gegnerschaft bzw. Widerstand dagegen leistet, verbal und praktisch. Was aber nicht eine automatische Selbstverständlichkeit ist, ist, dass jede der Form nach widerständige Aktion der Massen in den betroffenen Ländern zu heroischem Aufstand verklärt und sich mit denen solidarisiert wird. Es sei denn, die reale gesellschaftliche Situation wird im Bewusstsein ausgeblendet, um die brennenden Barrikaden als Projektion der eigenen Ohnmächtigkeiten politisch und sozial nutzbar zu machen. Solidarität kann nur aus Inhalten entstehen und aus nichts anderem. Anderenfalls führt diese Solidarität zur Stärkung der vor Ort explodierenden rassistischen, antisemitischen und chauvinistischen Exzesse, wie sie seit einiger Zeit in Griechenland stattfinden. (mehr…)




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