Archiv der Kategorie 'Theorie'

Zur Kritik der reinen Toleranz

Die Forderung nach Toleranz, unabhängig vom Begriff des zu Tolerierenden, ist gerade auch in fortschrittlichen Kreisen allzuoft anzutreffen und signalisiert dabei eine fehlende Bereitschaft zur kritischen Auseinandersetzung. Aber begriffslose Toleranz ist eine problematische Antwort auf die erstarkenden gesellschaftlichen Kräfte, die sich – ganz nach dem Prinzip „Zero Tolerance“ – der Propagierung eines mehrheitsgesellschaftlichen Chauvinismus und unter Forderungen wie der nach einer „Deutschen Leitkultur“ sich der Abwehr kultureller Minderheiten verschrieben haben.
Wir dokumentieren im Folgenden einen 1965 erschienenen Aufsatz des Philosophen Herbert Marcuse (1898 – 1979), der sich kritisch mit dem Begriff der Toleranz auseinandersetzt. Herbert Marcuses Beitrag stellt einen klassischen Text der Studierendenbewegung der 60er Jahre dar, dessen Aktualität über weite Strecken ungebrochen erscheint – auch und gerade in Bezug auf antifaschistische Praxis heute. Einzelne Termini dieses Beitrages von Herbert Marcuse (wie z.B. „Neger“) spiegeln den Sprachgebrauch der 60er Jahre wider. Wir haben diese Begrifflichkeiten aus dokumentarischen Gründen beibehalten. Der Text spiegelt dabei nicht zwingend eine Mehrheitsmeinung im LBgR wider.
Wer mit uns den Essay diskutieren möchte, ist herzlich zu unseren Treffen, Mittwochs um 19.00 Uhr auf der Walli, eingeladen!

Her­bert Mar­cu­se: Re­pres­si­ve To­le­ranz (1965)

Dieser Essay [1] untersucht die Idee der Toleranz in der fortgeschrittenen Industriegesellschaft. Er gelangt zu dem Schluß, daß die Verwirklichung der Toleranz Intoleranz gegenüber den herrschenden politischen Praktiken, Gesinnungen und Meinungen erheischen würde – sowie die Ausdehnung der Toleranz auf politische Praktiken, Gesinnungen und Meinungen, die geächtet oder unterdrückt werden. Die Idee der Toleranz erscheint, mit anderen Worten, heute wieder als dasjenige, was sie an ihren Ursprüngen war, zu Beginn der Neuzeit – als ein parteiliches Ziel, ein subversiver, befreiender Begriff und als ebensolche Praxis. Umgekehrt dient, was heute als Toleranz verkündet und praktiziert wird, in vielen seiner wirksamsten Manifestationen den Interessen der Unterdrückung. Der Verfasser ist sich dessen voll bewußt, daß gegenwärtig keine Macht, Autorität oder Regierung vorhanden ist, die eine befreiende Toleranz in Praxis übersetzen würde, doch er meint, daß es Aufgabe und Pflicht des Intellektuellen ist, an geschichtliche Möglichkeiten, die zu utopischen geworden zu sein scheinen, zu erinnern und sie zu bewahren – daß es seine Aufgabe ist, die unmittelbare Konkretheit der Unterdrückung zu durchbrechen, um die Gesellschaft als das zu erkennen, was sie ist und tut. (mehr…)

Zur Einführung in die Kapitalismuskritik – Vortrag und Diskussion mit Nadja Rakowitz

Mi | 18. Mai | 19:00 Uhr
Haus Akzent
Hüxstraße 83 – 85

Eintritt: frei

»Es kommt darauf an, Marx nicht mit den Augen des ökonomischen Fachmanns zu sehen, sondern mit denen eines Menschen, der weiß, daß er in der verkehrten Gesellschaft lebt und die richtige Gesellschaft will.«

Max Horkheimer

Dem Alltagsbewusstsein wie der Wissenschaft gilt Marx in erster Linie als „toter Hund“.
Wenn es auch von Zeit zu Zeit, nämlich immer dann, wenn der krisenhafte Charakter des Kapitalismus sich offenbart, zu sog. „Marx-Renaissancen“ kommt, bestehen diese meist nur darin, (mehr…)

Sprüchle

[iB]

„Gute Bücher sind solche, die uns für die bestehenden Einrichtungen gefährlich machen.“ (Thoreau)

Schön, gell? :-)

Grüßles SZ




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